1/4 Jahr in CHILE - ein Tagebuch:
20. Dezember: Ciao, Tschüss und Danke!
Liebe Freunde und Anverwandte,
drei Monate sind wie im Fluge vergangen und ich bin nun schon ein paar Tage wieder daheim im schönen (und kalten) Leipzig. Mit dem Ende meiner Reise hat nun auch dieses Blog sein Ende erreicht. Ich danke euch fürs fleißige Lesen!
Lasst es euch gut gehen und genießt die Feiertage. Ich wünsche euch allen schöne Weinachten und einen guten Rutsch!
14. Dezember: Fast schon wieder daheim
Die Wohnung ist wie verwandelt. Zwei Wochen war ich im Süden Chiles unterwegs (mit einem kleinen Abstecher ins argentinische Bariloche) und inzwischen ist hier alles in Weihnachtsdeko gehüllt. Auch der (künstliche) Weihnachtsbaum steht schon geschmückt auf dem Balkon.
Nun... Zwei spannende Wochen im Süden. Los ging die Reise mit einem kurzen Stopp in Temuco. Die Stadt ist nicht sonderlich aufregend und eigentlich hätte ich sie auf meiner Reiseroute auch links liegen gelassen, wäre Temuco nicht eine der vier Städte, in denen in Chile die Fußball-WM der U20-Frauen ausgetragen wurde und hätte sich das deutsche Team nicht zufällig gerade für das Viertelfinale in Temuco qualifiziert. Und da man die Chance zur Fußball-WM zu gehen ja nicht alle Tage bekommt (und schon gar nicht für knapp 5 Euro die Karte), dachte ich, mache ich hier einen kleinen Zwischenstopp. Es hat sich gelohnt. Die Stimmung im Stadion war echt gut und die Mädels haben gegen die brasilianischen Frauen eine wirklich prima Partie gespielt und schließlich mit 3:2 gewonnen. Ich stand lustigerweise mitten im brasilianischen Block zwischen in brasilianische Fantracht gehüllten Chilenen (vielleicht waren auch ein paar echte Brasilianer dabei). Gegenüber waren auch eine ganze Menge deutscher Fahnen zu sehen. Die deutsche Gemeinde (und damit wahrscheinlich zahlreiche Condor-Leser) war also gut vertreten.
Am nächsten Tag ging es für mich weiter nach Villarica. Ein kleines Städtchen am Lago Villarica am Fuße des gleichnamigen Vulkans. Die Region ist das Kernbesiedlungsland der deutschen Auswanderer. Und so sieht es hier auch ein bisschen aus wie in der Schweiz, in Österreich oder in Bayern (und vielleicht auch ein ganz klein wenig, wie in der Oberlausitz). Nur der Anblick des Vulkans und der schwarze Lavastrand weisen einen immer wieder dezent darauf hin, dass man noch immer in einem der Vulkanreichsten Länder Welt unterwegs ist. Das Großartigste an Villarica aber war für mich das Frühstück in meinem Hostel "Torre Suiza" - wie der Name schon sagt, betrieben von einer schweizer Familie: Jeden Morgen gab es frisches, selbstgebackenes Schwarzbrot! Dazu Müsli, Obst und ebenfalls selbstgemachten Joghurt. Wie großartig!
Nach zwei Nächten in Villarica ging für mich die Reise weiter nach Argentinien. Allerdings nicht ganz ohne Komplikationen. (Vielleicht liegt es daran, dass ich mal wieder nach Argentinien unterwegs war? Hm. Der Trip nach Menodza hatte ja auch ein paar kleine Schwierigkeiten mit sich gebracht...) Kurz vor der Grenze streikte unser Bus. Einer der vielen Riemen, die den Motor am Laufen halten, war gerissen. Passender Ersatz nicht vorhanden. Die Busfahrer lösten das Problem dann aber doch relativ schnell - auf südamerikanische Weise. Kurzerhand zerschnitten sie einen der vielen Ersatzriemen, der zwar den richtigen Durchmesser hatte, allerdings zu breit war, in zwei schmale Riemen. Es funktionierte. Nach gut einer halben Stunde konnte die Reise weitergehen.
Gegen 21 Uhr kamen wir schließlich am Bus-Terminal in Bariloche an, wo ich direkt Thomas und Volker kennengelernt habe. Die beiden Kölner Jungs waren auch auf der Suche nach einem Hostel und so machten wir uns gemeinsam auf. Die folgenden Tage haben wir dann auch größtenteils gemeinsam verbracht, sind auf den Cerro Campanario geklettert, haben zusammen gekocht und Wein getrunken. (Ja, Thomas, ich nehm dich beim Wort und wir sehen uns im Frühjahr zur Weinprobe in Köln!)
An allen Ecken in Bariloche wurden neben Rafting auch Reittouren angeboten. Und weil ich die Idee lustig fand, als echter "gaucho" durch die argentinische Pampa zu streifen, habe ich die Gelegenheit ergriffen und die Pferde satteln lassen. Ich hab es fast nicht für möglich gehalten, aber Reiten ist ja sooo cool! Vor allem, wenn das Pferd dann tatsächlich auch macht, was man selbst gerne will. (Die meiste Zeit ist mein Gaul aber dennoch einfach nur den anderen hinterher getrabt...)
Nach drei Nächten in Bariloche war es für mich am Montag höchste Zeit gen Isla de Chiloé aufzubrechen. Schließlich hatte ich über die Hälfte meiner Reisezeit schon hinter mir und dabei wollte ich doch noch so viel sehen.
Die Isla de Chiloé ist die zweitgrößte Insel Südamerikas (nach Feuerland) und hat ihren ganz eigenen Charme. Die Menschen hier ticken nocheinmal ganz anders als auf dem Festland. Berühmt ist das Eiland für seine Pfahlbauten in Castro und die zahlreichen über die Insel verteilten, komplett aus Holz (teilweise ohne einen einzigen Nagel!) gebauten und von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürten Kirchen. Der "curanto" ist DIE kulinarische Spezialität auf Chiloé. Er wird auf zwei unterschiedliche Arten zubereitet. Entweder traditionell im Boden auf heißen Steinen in einer Mulde die mit Nalca-Blättern ausgelegt wird oder, moderner, im Kochtopf. Natürlich habe ich den "curanto" auch gekostet. Allerdings konnte ich ihm nur wenig abgewinnen. Denn er besteht eigentlich zu 90 Prozent aus Fleisch und Meeresfrüchten. Auf meinem Teller häuften sich also Rindfleisch, Hünchen, chorizo (typische Wurst), Kartoffeln, chapaleles (so ähnlich wie Klöße) und jede Menge Muscheln. Ich hab mir wirklich Mühe gegeben aber mehr als ein Drittel davon habe ich einfach nicht runter bekommen. Die Kellnerin hat mich dann auch ein wenig komisch angeschaut, als sie den fast noch vollen Teller wieder abräumen sollte.
Weil bei mir mit dem "curanto" für diesen Tag der Bedarf an lokalen Spezialitäten gedeckt war, habe ich schließlich nicht widerstehen können, als mir in Castro ein Café begegnete, in dem es tatsächlich richtigen, echten italienischen Cappuccino gab. Eine Seltenheit in diesem Land, in dem alle nur löslichen Kaffee trinken. Und welch ein Genuss!
Den nächsten Tag wollte ich eigentlich in Ancud verbringen, wo ich zwar im Hostel
untergekommen war, von dem ich aber aufgrund meiner späten Ankunft und meinem Tagesausflug nach Castro noch nicht so viel gesehen hatte. Zufällig bin ich dann aber auf einen Landbus gestoßen, der mich für wenig Geld in das knapp 25 Kilometer entfernt liegende Pumillahue zu den Magellan- und Humboldt-Pinguinen brachte. Eigentlich wollte ich die mir gar nicht anschauen, denn die Touren dahin stellten sich als recht teuer heraus und schließlich hatte ich Pinguine schon in Australien gesehen. Mit dem Überlandbus tat sich aber eine gute Alternative auf. Und so stieg ich spontan ein. Es war eine gute Entscheidung, denn im Bus habe ich dann Aitor aus Spanien kennen gelernt, mit dem ich auch den Rest des Tages verbracht habe. Zusammen haben wir eines der Fischerboote am Strand von Pumillahue angeheuert und uns zu den Pinguinen schippern lassen.
Zurück in Ancud haben wir dann noch gemeinsam einen Kaffee getrunken (leider keinen so guten wie in Castro), noch einen kleinen Spaziergang auf den die Stadt überragenden Hügel gemacht und dann war auch dieser Tag schon wieder vorbei.
Am nächsten Morgen startete ich gleich früh zeitig Richtung Lago Todos Los Santos und dem Campingplatz von Familie Kuschel. Ein Tipp von meinem Condor-Kollegen Florian. "Da musst du hin!" Und der Ort ist wirklich phänomenal. Der Vulkan Osorno scheint zum greifen nah und der See glitzert in einem umwerfenden Blau. Wie es der Zufall wollte habe ich dort dann den Enkel der Campingplatzbesitzer und drei seiner Freunde kennen gelernt, die mich auch gleich noch mit zum (allerdings erfolglosen) Fischen bei Mondschein, Calimocho (Wein mit Cola) trinken und Lagerfeuer machen eingeladen haben.
Nach einer etwas unruhigen Nacht in einer der zum Zeltplatz gehörenden Hütten (man konnte in der Wand die Ratten spazierngehen hören) machte ich mich am folgenden Morgen auf den Rückweg gen Santiago. Mir blieb noch ein halber Tag Aufenthalt in Puerto Varas, den ich größtenteils am Strand verbrachte und mich dabei fast ein bisschen langweilte. Doch schon wieder hat mir der Zufall in die Hände gespielt. Beim Spaziergang durch die Stadt winkte mir aus einem Café heraus jemand ganz energisch zu. Ich hab das nicht wirklich ernste genommen - wen sollte ich in Puerto Varas schon kennen? Ich hab das Winken also ignoriert, doch ein paar Straßenecken weiter hörte ich dann meinen Namen... Es war Miguel, den ich ein paar Tage zuvor kurz in meinem Hostel in Ancud kennengelernt hatte. Weil er auch nichts weiter vor (und wahrscheinlich Mitleid mit mir) hatte, beschloss er mir beim Warten auf meinen Bus nach Santiago Gesellschaft zu leisten und mich noch auf eine Cola einzuladen (denn ich hatte meine letzten Pesos in das Busticket und einen chilotischen Pullover umgesetzt und kaum mehr 1.000 Pesos (etwas mehr als einen Euro) übrig...)
Gut 12 Stunden Busfahrt später bin ich nun wieder in Santiago und quasi schon mit einem halben Fuß wieder in Deutschland. Morgen gehe ich nochmal zum Abschied in die Condor-Redaktion, für den Abend hat meine Family hier ein kleines Abschiedsessen für mich geplant. Und Dienstag geht schon mein Flieger... Wir sehen uns also bald im weihnachtlichen und hoffentlich auch winterlichen Deutschland!
30. November: 1. Advent bei Sonnenschein und 30°C
In allen Geschäften der Stadt tönt es Weihnachtslieder, in den Schopping-Malls sitzen Männer mit künstlichen Bärten und dicken roten Mänteln und begrüßen die verschreckten Kinder auf ihrem Schoß zum Foto. Und draußen strahlt die Sonne bei 30°C. Die Leute tragen träger Shirts, Shorts und Flip-Flops. Der erste Advent auf der Südhalbkugel.
So richtig Weihnachtsstimmung will da bei mir nicht aufkommen. Bei meiner Familie hier allerdings auch nicht. Ich hab in der ganzen Wohnung noch keine Weihnachtsdeko entdeckt.
Für mich geht es jetzt weiter gen Patagonien. Fotos und Bericht gibts wie gehabt in Anschluss - voraussichtlich zum 3. Advent...
29. November: in die Wüste geschickt
Langweiliger kann eine Busfahrt kaum sein. 24 Stunden dauerte die Fahrt von Santiago bis in das über 1.500 Kilometer entfernte, mitten im Nirgendwo auf 2.500 Metern Höhe liegende San Pedro de Atacama. Stundenlang fährt man durch immer gleich aussehende, staubtrockene Landschaften. Kein Baum, keine Pflanze weit und breit. Nur Sand und Felsen. Kein Wunder, denn die Atacamawüste ist immerhin die trockenste Wüste der Welt.
San Pedro de Atacama ist ein kleines Dorf mit rund 2.500 Einwohnern. Allerdings kommen auf jeden Einwohner gefühlte drei Touristen. Der Ort wimmelt nur so von Hostels, Reiseveranstaltern, Restaurants, Bars und Internet-Cafés. Das Preisniveau ist dementsprechend hoch. Die meisten Leute hier leben vom Tourismus. Doch nicht alle können daran teilhaben. Läuft man ein wenig aus dem Zentrum heraus, stößt man am Rand des Dorfes auf die schäbigen Wellblechhütten, in denen die meisten Einheimischen wohnen...
Was San Pedro eigentlich auszeichnet, ist seine spektakuläre Umgebung. Von hieraus sind zahlreiche unglaubliche Naturformationen zu besichtigen.
Zu den herausragendsten zählen wohl die Geysire am Vulkan Tatio. Auf gut 4.300 Metern Höhe gelegen, sind sie die höchsten der Welt. Auf die Tour muss man sich einigermaßen gut vorbereiten. Am Abend zuvor sollte man auf Alkohol, Tabak und zu deftiges Essen (rotes Fleisch etc.) verzichten - es gilt der Höhenkrankheit vorzubeugen. Und so kann man auch überall im Ort Koka-Tee kaufen - das traditionelle Heilmittel gegen die unangenehme Übelkeit und Kopfschmerzen, die einen in der Höhe ereilen können.
Um 4:00 Uhr startet der Kleinbus. Es ist noch stockdunkel und über der Wüste thront ein unglaublicher Sternenhimmel, der allein schon das frühe Aufstehen wert ist. Pünktlich zum Sonnenaufgang kommt man (gemeinsam mit vielen anderen Touris) bei den Geysiren an. Es ist noch verdammt kalt. Das Wasser am Boden ist gefroren. Nur in den Erdlöchern brodelt und blubbert es bei 85 bis 130 Grad Celsius. Heißer Dampf steigt auf. Es riecht nach Schwefel. Man fühlt sich, wie in einer Hexenküche. Sobald die Sonne herauskommt, wird die Temperatur deutlich erträglicher.
Ein paar Kilometer weiter hat die Natur einen kleinen Pool gebildet, in dem es sich bei 25 bis 37 Grad Celsius angenehm baden lässt. Um einen herum sprudeln und dampfen die Geysire. Ein skurriler Anblick.
Die Rückfahrt über die Schotterpiste führt durch beeindruckende und unwirkliche Landschaften vorbei an Lamas, Vikunjas, Pelikanen. Wie aus dem nichts tauchen in der Trockenheit plötzlich kleine grüne Oasen auf.
Weitere sehenswerte Ausflugsziele sind das Valle de la Luna (Mondtal) und das Valle del Muerte (Tal des Todes), wo man auch sandboarden kann. Zu beiden bieten die Reiseveranstalter Touren an. Wer drauf keine Lust hat, kann sich auch ein Fahrrad ausleihen und die Gegend auf eigene Faust erkunden (auch wenn einen die meisten Leute im Hostel deswegen für verrückt erklären). Mit dem Rad durch die Wüste zu fahren ist anstrengend. Die Sonne knallt unerbittlich von oben und die knappe Höhenluft macht einem zu schaffen. Und doch ist es eine gute Erfahrung. Am Ende des Tages merkt man, was man geschafft hat. Auf der Haut bleibt eine salzig, sandige Kruste und die Vorfreude auf eine schöne, kalte Dusche.
22. November: So das wars.
Schluss, aus und vorbei. Zwei Monate Praktikum sind wie im Flug vergangen. Zum Abschied gabs am Freitag dann viele Dankesworte und gute Wünsche. Ob es an meiner Arbeit lag oder eher an dem Quarkkuchen, den ich für das Condor-Team noch höchst persönlich zubereitet hatte, lass ich jetzt mal offen...
Obwohl physisch nicht mehr in der Condor-Redaktion anwesend, werden aber meine Texte die Leser noch eine Weile erfreuen. Es ist unglaublich, wie weit im Voraus diese Wochenzeitung produziert wird. Und so werden wahrscheinlich noch im nächsten Jahr Beiträge von mir erscheinen ;)
Für mich beginnen jetzt die letzten dreieinhalb Wochen meines Chileaufenthalts. Und damit geht die eigentliche Reise überhaupt erst los. Morgen mache ich mich auf in die Wüste. Es geht nach San Pedro de Atacama, das fast schon an der Grenze zu Bolivien liegt. Satte 24 Stunden dauert die Busfahrt. Und damit bin ich trotzdem noch lange nicht am nördlichsten Zipfel Chiles - man unterschätzt die Distanzen hier so leicht. Chile ist zwar schmal aber unglaublich lang. Gut 5.000 Kilometer, um genau zu sein.
Freitag komme ich dann erst einmal wieder nach Santiago zurück. Und anschließend geht es noch in den grünen Süden... Aber eins nach dem anderen. Ich hoffe euch dann schon nächstes Wochenende von meiner Wüstentour berichten zu können und schöne neue Fotos mit im Gepäck zu haben.
19. November: Fußball, Fußball, Fußball...
Chile ist im Fußball-Fieber. Generell. Egal ob chilenische Liga oder Spiele auf internationalem Niveau, die Chilenen sind Fussball-Fans. Derzeit ist die Freude aber besonders groß. Denn Chile trägt in diesem Jahr die FIFA Weltmeisterschaft der U-20 Frauen aus und hat dafür eigens vier Stadien um- und ausgebaut.
Heute nun wurde die WM feierlich eröffnet. Bis zum 7. Dezember spielen die Frauen um den Titel. Das deutsche Team muss morgen (am 20.11.) zum ersten Mal ran - gegen die Mannschaft aus dem Kongo.
Im Übrigen ist sogar der Kaiser höchstpersönlich, Franz Beckenbauer, anlässlich der WM nach Chile eingereist. Gestern hat er eine Tour durch die deutsch-chilenischen Einrichtungen in Santiago gemacht (Deutsche Schule, Goethe-Institut,...) Zum Condor ist er aber leider nicht gekommen ;) Mein Kollege Florian kam allerdings mit stolzgeschwellter Brust (inklusive Autogramm auf seinem T-Schirt und Foto mit ihm und dem Kaiser) vom Pressetermin zurück...
18. November: Nachtrag - La Serena
La Serena ist ein liebliches kleines Städtchen fast 500 Kilometer nördlich von Santiago und direkt am Pazifik gelegen. Es ist die zweitälteste Stadt Chiles und das sieht man ihr auch an. Es gibt unglaublich viele schöne Kirchen im Kolonialstil. Und natürlich - wie in so ziemlich jeder Stadt dieses Landes - einen Plaza de Armas.
"Chile ist bis nach La Serena schön, alles, was nördlicher liegt, ist langweilig", sagte mir Claudio, den ich während der Busfahrt kennen gelernt habe. Da sprach aus ihm vor allem der Südländer. Er stammt aus Patagonien. Aber ein bisschen hat er wohl Recht. Denn mit La Serena beginnt die Wüste. Alles was dann kommt, ist einfach nur noch trocken. Und trotzdem hat es seinen Reiz.
Berühmt ist die Region um La Serena für das Valle de Elqui, eine durch den Fluss Elqui mitten in der Trockenheit geschaffene kleine Oase. Darin liegt das nördlichste Weinanbaugebiet Chiles und von hier kommt auch das chilenische Nationalgetränk - der Pisco. Leider habe ich es aufgrund meiner beschränkten Zeitkapazität nicht geschafft, einen Ausflug in das Tal zu machen. Zwischen je sechs Stunden Busfahrt blieben mir in La Serena gerade einmal 25 Stunden.
Gelohnt hat sich die Fahrt trotzdem. Schon allein wegen des wildromantischen Strandes...
16. November: La Serena
Der Ausflug war kurz. Viel zu kurz. Zumindest für sechs Stunden Busfahrt.. Und weil es jetzt schon wieder ganz schön spät ist, solls das für heut erstmal sein. Die Fotos gibts wie gehabt schonmal vorab.
14. November: Wochenendausflug
Schon wieder ist eine Woche rum, es war meine vorletzte Arbeitswoche hier beim Condor... Und so langsam packt mich die berüchtigte "meine-Zeit-in-Chile-ist-schon-fast-vorbei-Panik". Daher nutze ich das Wochenende gleich noch für eine kurze Reise. Diesmal geht es in den "kleinen Norden" Chiles. Nach La Serena - dorthin, wo die Wüste das Meer küsst...
9. November: Kultur pur
Santiago ist zwar nicht der Nabel der Welt aber zumindest der Nabel Chiles. Hier ballt sich alles. Und wenn man einmal anfängt, sich zu überlegen, wie man sein Wochenende kulturell am besten gestaltet, weiß man schnell nicht mehr, wohin man zuerst gehen soll... Zumnindest ging es mir dieses Wochenende so. Internationales Dokumentarfilmfestival (ja, das gibts nicht nur in LE), Buchmesse, Musikzirkus und dazu das alltägliche Treiben in der Stadt... Gut, dass morgen wieder die Arbeit beginnt - bei so viel Aufregung am WE ;)
3. November: jetzt aber - Mendoza
Ab Punkt, an dem die Flüsse beginnen in die andere Richtung zu fließen und die Sonne plötzlich hinter den Anden nicht mehr auf- sondern untergeht, ist es gewiss: Man hat die Grenze zwischen Chile und Argentinien passiert.
Ganz so romantisch, wie das jetzt klingt ist es allerdings leider nicht. Denn Lateinamerika ist eben nicht die EU. Und zwischen Chile und Argentinien liegen zahlreiche Passkontrollen und jede Menge bürokratischer Papierkram. Da verbringt man schon mal gut eine Stunde an der Grenze.
Aber von vorn: Unsere Reise begann chaotisch. Eigentlich wollten Sebastian und ich am Donnerstagvormittag ganz in Ruhe starten. Eigentlich. Denn als mich Sebastian gegen elf Uhr abholte, ging es noch nicht gen Argentinien, sondern erst einmal zur Bank. Aus irgendeinem Grund hatte er nämlich gerade keinen Führerschein und um ihn wiederzubekommen, musste er nun eine sogenannte "vale vista" bezahlen und damit anschließend zur Polizei, um dort seinen Führerschein wieder "freischalten" zu lassen. Eigentlich kein Ding. Nur ist hier zur Bank gehen immer so eine Sache und vor allem mit unendlich langen Warteschlangen verbunden. Das Ende vom Lied war, dass wir eine Minute nach um eins schließlich vor dem Polizeirevier standen, das - wie konnte es anders sein - genau eine Minute zuvor seine Tore geschlossen hat. Sebastian redete auf den Pförtner ein, bat um ein Gespräch mit der Chefin, flehte, erklärte. Doch es half nichts. Die Tür blieb zu. Und ich dachte immer, Deutschland sei bürokratisch... So sah ich unsere Reise schon dahinschwinden. Denn Freitag war ja Feiertag und damit die Polizei ebenfalls geschlossen. "Arbeiten die überhaupt irgendwann mal?!", war Sebastians Kommentar dazu.
Eine unglaubliche Stunde haben wir so vor dem Polizeirevier verbracht. Immer wieder auf die Leute einredend und bittend. Am Ende hatten die Kollegen dann wohl doch Mitleid mit uns. Oder Respekt vor unserer Ausdauer. Ich weiß es nicht. Sie ließen uns ein und Sebastian bekam seine Papiere zurück. Inzwischen war es um drei... Glücklich, doch noch alles geregelt bekommen zu haben, setzten wir uns in Sebastians kleinen VW, kurbelten die Fensterscheiben runter und drehten die Musik von Bob Marley laut auf.
Mendoza here we come.
Die Fahrt durch die Anden war wirklich spektakulär. Auf einsamen Straßen die Serpentinen hinauf durch karge Berglandschaften, vorbei an schroffen Felsen bis ganz hinauf zu den noch immer schneebedeckten Gipfeln. Die Route von Santiago nach Mendoza führt auch fast direkt am Aconcagua vorbei - dem mit fast 7.000 Metern höchsten Berg außerhalb Asiens. Während die Landschaft auf der Seite Chiles in Sand-, Grün- und Brauntöne getaucht ist, sind die Berge auf der argentinischen Seite der Anden plötzlich rot gefärbt.
Kurz hinter der Grenze stoppten wir an einem kleinen Restaurant. Eigentlich ist das schon übertrieben. Denn es handelte sich dabei um nicht viel mehr als ein paar Wellblechhütten und ein altes kleines Steinhaus. Davor ein in der Sonne dösender Hund. Drinnen bereiteten drei alte Männer das Essen. Während uns der Höhenwind um die Nasen blies, verspeisten wir die wirklich köstlichen Burger. Es gibt nichts urigeres! Ich hätte hier noch ewig sitzen können, aber da wir eh schon spät dran waren, ging die Reise weiter gen Mendoza.
Gegen 21 Uhr erreichten wir schließlich die Stadt. Inzwischen war es schon dunkel. Ein Hotel hatten wir noch nicht. Und so irrten wir eine ganze Weile planlos umher, bis wir schließlich das Hotel "Laser" fanden. Mit viel gutem Willen könnte man seine Ausstattung als rustikal bezeichnen. Aber uns war es egal. Der Preis war super und wir mussten unser Zimmer nicht wie im Hostel mit noch zig anderen Menschen teilen. Außerdem gab es eine spitzen Dachterrasse im Kontinentalstil, auf der es sich am Abend wunderbar Cuba Libre trinken und gemütlich chillen ließ...
Mendoza selbst ist eine tolle Stadt. Zwar ist sie ebenfalls am Reißbrett geplant worden, dafür ist sie aber nicht so überdimensional groß wie Santiago, hat wunderbare Parkanlagen und ist superlebendig. Wir haben uns allerdings keinen großen Stress in Sachen Touri-Rundgängen oder Ähnlichem gemacht. Um ehrlich zu sein, haben wir eigentlich die meiste Zeit in irgendwelchen Restaurants und Cafés verbracht. Und weil das Fleisch in Argentinien so berüchtigt ist, gab es jedes Mal Beafsteack mit Pommes. Zumindest bei Sebastian ;)
Nachdem wir den Freitag in Mendozas Parks und mit einem kleinen Stadtbummel verbracht hatten, ging es am Samstag in das etwa 30 Kilometer außerhalb zwischen den Bergen liegende Cacheuta. In ein Thermalbad. Ich dachte immer sowas ist nur etwas für alte Leute. Aber Sebastian wollte da unbedingt hinfahren und so bin ich eben mit. Am Ende war es sogar richtig lustig.
Nach einem weiteren gemütlichen Abend auf unserer Dachterrasse ging es Sonntag dann schon um zehn Uhr morgens mit dem Gefühl, dass das Wochenende mal wieder viel zu kurz war, zurück nach Santiago, wo die Sonne nun wieder hinter den Anden aufgeht...
2. November: einmal Mendoza und zurück
Soooo... Ich bin wieder zurück aus Argentinien. Es war ein spannender und lohnender Trip. Allerdings hat er bei mir auch seine Spuren hinterlassen. Das heißt ich bin etwas knülle... Ein ausführlicherer Reisebericht folgt dementsprechend später. Die versprochenen Fotos sind dafür schon da. Viel Spaß beim durchklicken.
29. Oktober: auf nach Argentinien
Bis vor ein paar Wochen hatte Chile 13 gesetzliche Feiertage im Jahr. Und als ob das noch nicht genug wären, hat die Regierung ihren Bürgern nun noch einen weiteren dazu geschenkt. Den 31. Oktober. Nein, nicht weil da Halloween ist (obwohl ich mir das irgendwie auch gut vorstellen könnte). Sondern wegen des Reformationstages. Besonders einleuchtend ist das bei einem Volk, dessen überwältigende Mehrheit streng katholisch ist, allerdings auch nicht. Aber mir solls Recht sein. Denn so kann ich das verlängerte Wochenende für einen Ausflug ins argentinische Mendoza nutzen. Da mir der Condor auch noch den Donnerstag dazu geschenkt hat, wird es sogar ein richtiger kleiner Kurzurlaub. Morgen Vormittag gehts los. Ich fahre gemeinsam mit Sebastian in seinem Auto einmal quer über die Anden. Das wird sicher spaßig. Und ihr dürft euch auf viele tolle Fotos im Anschluss freuen...
26. Oktober: Wahlen auf chilenisch
Ganz Chile hat gewählt. Und zwar seine Bürgermeister und Stadträte. An sich ist das nicht besonders spannend. Würden hier die Wahlen nicht ein wenig anders laufen als in Deutschland.
Chile hat nämlich eine Wahlpflicht. Einmal in das Wahlregister aufgenommen, muss man zu jeder Wahl antreten. Kommt man nicht, gibt es saftige Strafen. Einzige Ausnahme: man ist mehr als 200 Kilometer vom Wahlort entfernt und lässt sich dies polizeilich bestätigen. Briefwahl gibt es nicht.
Damit auch alle fähig sind, verantwortungsbewusst über die Zukunft ihres Landes abzustimmen, gibt es am Wahlvorabend Sperrstunde. Und am Wahltag selbst haben alle Geschäfte, Kinos und vor allem die Getränkehändler geschlossen.
Trotzdem herrscht Chaos. Denn in welches Wahllokal sie müssen und nach welchem System das entscheiden wird, ist dem Großteil der Chilenen nicht wirklich klar. So durfte beispielsweise aus meiner Familie jeder zu einem anderen Wahllokal gehen.
Das Wahlergebnis ist ein leichter Rechtsruck in Chile. Zusammengenommen haben die Vertreter der konservativen "Alianza por Chile" diesmal 40,49 Prozent der Stimmen bekommen. Das linke Bündnis "Concertacíon de Partidos por la Democracia" - das mit Michelle Bachelet die derzeitige Präsidentin stellt - 38,43 Prozent. Damit hat sich das Kräfteverhältnis im Vergleich zur letzten Wahl etwa umgekehrt. Experten glauben nun, dass dies bereits einen Regierungswechsel bei der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr ankündigt.
Übrigens: Rund fünf der insgesamt gut 16 Millionen Chilenen haben ihr Kreuz dennoch verweigert - indem sie sich überhaupt nie in das Wahlregister eintragen lassen haben (rund 2,5 Millionen), indem sie die Strafen in Kauf genommen oder sich "abgemeldet" haben (1,5 Millionen) oder indem sie ihren Stimmzettel ungültig gemacht oder leer abgegeben haben (Rest).
25. Oktober: Schlemmermeile
Es hat sich gelohnt. Gestern nach der Arbeit führte mich mein erster Weg direkt zum Supermarkt. Mit Chilischoten, Paprika, Kartoffeln, Tomaten, Karotten und Co. voll bepackt, quetschte ich mich Mitten in der Rush Hour in den Bus, um mich zu Hause angekommen sofort ans Werk zu machen. Denn ich hatte leicht größenwahnsinnig versprochen, zum Samstag für die ganze neunköpfige Familie zu kochen. Und weil ich mich nicht lumpen lassen wollte, habe ich das gute Jukschatsche Kesselgulasch auf den Speiseplan gestellt. Inklusive Quark- und Schokokuchen zum Nachtisch. Bis abends um elf habe ich schließlich in der Küche gewuselt (und war echt froh, dass meine Gasteltern außer Haus waren und erst wiederkamen, als ich das Küchenchaos wieder einigermaßen beseitigt hatte).
Lange Rede, kurzer Sinn. Heute stand schließlich pünktlich um 14:00 Uhr die gesamte Familie auf der Matte. Und ja, was soll ich sagen außer: Danke Papa für die gute Schule! Ich werde das Rezept wohl genauso wie die der Kuchen weiterreichen müssen...
Eigentlich würde ich euch ja jetzt gern mit ein paar Fotos neidisch machen, aber wir haben bei der ganzen Schlemmerei glatt vergessen ein paar Bilder aufzunehmen.
Zur kleinen Fiesta mit BBQ am Abend (ja, die Chilenen grillen gern) habe ich dann aber daran gedacht.
24. Oktober: verkehrte Welt
Während die ganze Welt über die Finanzkrise spricht und um Wirtschaft und Arbeitsplätze bangt, herrscht in Santiago verkehrte Welt. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Und zwar nicht nur im Vergleich zum Vormonat, sondern auf das niedrigste Niveau seit 1998. Das ist das Ergebnis einer Studie der renommierten Universidad de Chile. Im September waren in der Region Metropolitana, deren Zentrum Santiago ist, rund 214.500 Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent. Grund zum Jubeln ist das aber dennoch nicht unbedingt. Denn auch hier fürchtet man natürlich den Effekt der weltweiten Bankenkrise.
18. Oktober: Auf ans Meer
Es knackt und knattert, ruckelt und holpert. In einem gefühlten 60 Grad Winkel quält sich der über hundert Jahre alte Aufzug auf den Cerro Concepcion. Es ist nur einer von Dutzenden in Valparaiso. Das "paradiesische Tal" liegt rund 120 Kilometer westlich von Santiago am Pazifischen Ozean. Seit 2003 gehört seine einzigartige Innenstadt zum UNESCO Weltkulturerbe, vor allem wegen der durch die zahlreichen Hügel so besonderen Architektur und die vielen gut erhaltenen Standseilbahnen und Aufzüge. Schmale Gassen mit steilen Treppen schlängeln sich die Berge hinauf. Im Vergleich zu den sonst überall anzutreffenden schachbrettartigen Stadtstrukturen ist dieses labyrinthische Chaos einfach nur erfrischend und lässt mein europäisches Herz höher schlagen.
An allen Ecken preisen Straßenhändler mit lautem Singsang alles an, was man sich nur vorstellen kann. Von Sonnenbrillen über CD´s, Schmuck und Zeitungen bis hin zu Vorhängeschlössern und Schnürsenkeln. Idyllisch ist Valparaiso nicht unbedingt. Die Stadt ist bunt, laut und lebendig. Und: Sie ist seit eh und je eine wichtige Hafenstadt mit viel Industrie.
Gleich nebenan liegt das hauptsächlich vom Tourismus lebende Viña del Mar. Vor allem die bessergestellten Santiaginer verbringen hier ihre Wochenende und verzocken ihr Geld im Casino. Die Stadt selbst ist nicht sonderlich spektakulär. Wäre da nicht das Meer. Trotz eisiger Wassertemperaturen sind die ersten mutigen schon in den brausenden Wellen. Ich teste das Wasser nur kurz mit den Füßen an und ziehe es vor, das bunte Treiben vom Strand aus weiter zu beobachten und den Liedern von Manu Chao zu lauschen, die hier eine kleine lustige Combo zum Besten gibt...
12. Oktober: Venceremos!
Venceremos - wir werden siegen! Lateinamerika vereint im Kampf gegen den Kapitalismus, für Freiheit, Sozialismus und mehr Rechte für die Eingeborenen wie die Mapuche, Quechua,... Wenn die Chilenen auf die Straße gehen, dann ist es mehr ein Fest als eine Demonstration. Bunt, lebendig und laut. Wie heute, als vor dem Cerro Santa Lucia im Stadtzentrum von Santiago hunderte Menschen Venceremos riefen und auf den Straßen tanzten. Man mag mit den Ideen und Forderungen übereinstimmen oder nicht. Aber es ist in jedem Fall ein großes spannendes Spektakel. Tja, das ist Lateinamerika.
9. Oktober: nächste Woche im Condor
Nachdem ich die vergangenen zwei Wochen schon furchtbar fleißig für den Condor in die Tasten gehauen habe, wird diese Arbeit ab nächster Woche nun erste Früchte tragen. Soll heißen: meine ersten Artikel werden erscheinen. Und wen es interessiert, der kann sie auch auf der Condor-Homepage nachlesen und überhaupt einmal schauen, für wen ich hier so arbeite. Mein Geheimtipp: Werft mal einen Blick auf die Condor Junior Seiten. Damit habe ich zwar nichts weiter zu tun aber die sind einfach nur wunderbar!zum Condor
4. Oktober: Cerro San Cristóbal
Pferde, Gorillas, Tiger und Co. bunt bemalt von Kinderhand. Ringsherum aufgeregte Eltern und tollende Kinder. Auf Santiagos Hausberg - dem Cerro San Cristóbal - herrschte heute Familienfeststimmung. Dazu eingeladen hatte die Stiftung "coanil". Sie setzt sich seit Mitte der 70er Jahre in Chile für die Integration geistig behinderter Kinder und Erwachsener in die Gesellschaft ein. Heute wurde auf dem Hausberg Santiagos ein Projekt vorgestellt, in dem Kinder einer Schule in Santiago gemeinsam mit den "coanil"-Kindern Figuren aus Pappmaché gebastelt und gestaltet hatten. Ihre Werke wurden nun präsentiert und verkauft. Der Erlös fließt zurück in die Arbeit der Stiftung. Ein wirklich gutes Projekt, wie ich finde.
Warum ich überhaupt dort war? Zwei Enkel meiner Gasteltern gehen an besagte Schule und haben daher an dem Projekt teilgenommen. Und so gab es heut einen kleinen Familienausflug auf den San Cristóbal inklusive Fahrt mit der Seilbahn.
3. Oktober: Endlich Volljährig
18 Jahre deutsche Einheit. Das muss gefeiert werden. Auch im fernen Chile. Der deutsche Botschafter Michael Glotzbach hatte anlässlich dieses Jubiläums die VIP´s der deutschen Gemeinde in Chile in seine Residenz geladen.
Natürlich durfte da auch die Condor-Redaktion nicht fehlen und - ihr ahnt es sicher schon - Nadine war mit dabei. Ein wenig underdressed zwischen all den Sakkos und Kostümen zwar, aber gut.
Die Rede des Botschafters war kurz. Ein paar lobende Worte zu der guten deutsch-chilenischen Beziehung und darüber, wie gut sich Ostdeutschland nach der Wende und Chile nach dem Ende der Pinochet-Herrschaft entwickelt haben. Man nennt es wohl Selbstbeweihräucherung. Zu Feier des Tages gab es natürlich Bier (ausgeschenkt von jungen Damen im Dirndl), Brezeln, Schwein am Spieß und jede Menge anderer leckerer Häppchen. Selbstverständlich alles bezahlt vom Steuerz... ähm Pardon, vom Botschafter höchstpersönlich natürlich...
26. September: Hallo Arbeitswelt
Eigentlich sollte mein Praktikum erst am 1. Oktober beginnen. Eigentlich... Denn als ich am Mittwoch zum Hallosagen in der "Cóndor"-Redaktion vorbeischaute, offenbarte man mir, dass ich doch gleich anfangen könnte. Und eh ich mich versah, war ich mittendrin in der Arbeit... Morgens um 9:00 Uhr geht es los, 18:00 Uhr ist Feierabend. Ja, Nadine ist im Arbeitsalltag angekommen. Fast eine Stunde brauche ich für den Arbeitsweg mit Bus und Metro, Körper an Körper dicht gedrängt - eine Ölsardinendose ist nichts gegen eine Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln Santiagos zur Hauptverkehrszeit. Der Versuch auf der Fahrt zu lesen und die Zeit zu nutzen ist aussichtslos.
Da mich die Arbeitswelt nun eingefangen hat, bin ich ganz froh, ein paar Dinge schon in den ersten Tagen gesehen zu haben. Pablo hatte mich am Dienstag bereits mit zu TVN mitgenommen und mich dort einer ganzen Menge Leute vorgestellt. Sehr spannend! Ich habe ihm bei einem kleinen Beitrag für die Abendnachrichten "geholfen". Er hatte dafür in Deutschland Interviews mit Hilfe eines Übersetzers gemacht und ich sollte mal schauen, ob der auch wirklich alles richtig übersetzt hat... In Wirklichkeit wollte Pablo mir wohl eher einen Gefallen tun und mir den Sender zeigen... Nachmittag um halb drei hatte er immer noch keinen Text für seine Nachricht geschrieben, geschweige denn die Bilder ausgewählt oder geschnitten. Irgendwie hat er es aber doch noch geschafft: Pünktlich zu den 21-Uhr- Nachrichten lief der Beitrag.
Mittwoch war ich bevor es zum "Cóndor" ging noch im Pueblo Los Dominicos - einem kleinen Handwerkerdörfchen hier im Stadtteil "Las Condes". Wirklich hübsch anzusehen und gemütlich. Hier kann man alles kaufen, was das Touri-Herz begehrt. Ponchos, traditionelle Kleider, Selbstgetöpfertes, Geschmiedetes und vieles, vieles mehr. Nur ist es recht teuer, weil eben touristisch.
24. September: Ferienstimmung
Wo waren nur all die Menschen hin? Nationalfeiertag, Tag des Heeres und dann Wochenende - klar, dass die Chilenen die vier freien Tage nutzen und raus aufs Land oder in die Berge fahren. Und so war die Stadt bei meiner Ankunft entsprechend leer und ausgestorben - einmal abgesehen von den vielen Plätzen, an denen mit "Fondas" der Unabhängigkeitstag mit Musik, Tanz und vor allem viel Alkohol zelebriert wurde und denen ich nach Ansicht meiner chilenischen Freunde lieber fern bleiben sollte "porque son muy peligrosos"...
Seit Montag ist nun wieder alles normal. Santiogo ist wieder eine Großstadt wie jede andere - mit verstopften Straßen und vielen, vielen Menschen.
22. September: erste Schritte
So langsam komme ich tatsächlich in Santiago an. Der erste Schock ist verdaut und ich habe so etwas wie erste echte Freunde hier gefunden: Pablo und seine Freundin Veronica. Er arbeitet bei TVN - Chiles wichtigstem öffentlich-rechtlichem Programm. Sie ist zurzeit Radiomoderatorin und beginnt im Oktober bei CNN.
Pablo hatte ich bereits auf dem Flug nach Santiago getroffen. Als mich dort angekommen widererwartend niemand vom Flugahfen abgeholte, fuhr er mich gemeinsam mit Veronica zu meiner Unterkunft.
Die beiden waren ein wenig besorgt, über die Wohngegend, in der sich mein Zimmer befindet und haben kurzehand alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine neue Unterkunft für mich zu finden. ¡Mañana me voy a mudar!
Morgen ziehe ich nun um: zu Pablos Familie. Silvia - Pablos Mutter (die mich gleich zu ihrer niñita, ihrem Mädchen, machte), Mario - sein Vater und la tita - die Schwester von Silvia, die nie geheiratet hat und seit eh und je mit dem Ehepar zusammenlebt - sind super herzlich. Und die neue Wohnung ist ein Palast im Vergleich zu meinem Zimmer jetzt. Es gibt eine echte Waschmaschine (die in meiner jetzigen Wohnung muss noch mit einer Schüssel mit Wasser befüllt werden und kann nur kalt waschen, geschleudert wird mit einer guten alten Bodenschleuder...) und eine Dusche, bei der man einfach nur den Wasserhahn aufdreht und sofort warmes Wasser fließt (und man nicht zuvor erst etliche Gashähne aufdrehen und den Durchlauferhitzer mit Feuerzeug entzünden muss...). Das einzige "Probem": Paplos Familie spricht nur Chilenisch - soll heißen, Spanisch mit chilenischem Akzent... In dieser Hinsicht wird es also ein kleines Abenteuer. Oder sagen wir mal, eine Herausforderung.
Aber das macht überhaupt nichts, denn ab sofort bin ich hier nun Teil einer richtigen kleinen Familie ;)
18./19. September 2008: Ankunft in Santiago
Noch fühle ich mich etwas erschlagen von dieser Stadt. Santiago ist ja immerhin ein 6 Millionen Menschen Moloch. Und - so mein erster Eindruck - ganz schön grau.
Unglücklicherweise ist der Tag meiner Ankunft auch noch der Nationalfeiertag Chiles. Der heiligste aller Feiertage hier. Und natürlich sind da alle Geschäfte geschlossen. Nur soviel: Ich hätte nicht gedacht, wie existenziell das Thema Essen einmal für mich sein könnte...
Ja, meine ersten Schritte hier sind noch ein bisschen unbeholfen. Aber das wird schon noch. Ich bin da guter Dinge.
Bildergalerie:
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...in die Wüste geschickt
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Venceremos!
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Condor-Team
Pueblo Los Dominicos
Metro Santiago
meine erste Unterkunft